In wenigen Tagen wird bei uns wieder fest an den heiligen Martin gedacht. Ich denke an den November vor fünf Jahren, als ich zwei Reisejournalistinnen (von Kronenzeitung und Kurier) die Höhepunkte des ehemaligen Burmas näherbringen konnte. Eine Reise, die für mich irgendwie auch mit Martini in Myanmar verbunden ist.

Martini in Yangon

Wir waren mitten im Besichtigungstaumel in der geschäftigen Metropole Yangon. Hatten bereits die Sule-Pagode umrundet, die Botataung-Pagode besucht und den riesigen, liegenden Buddha gesehen. Waren mittagessenverdauungsfördernd den Kandawgyi-See entlang spaziert. Nun fühlten wir uns, auch wegen der Hitze und Schwüle, etwas erschöpft. Hatten nichts gegen etwas Abkühlung einzuwenden. Ich schlug spontan eine Pagoden-Pause vor, denn ich wollte meinen beiden Damen unbedingt “The Strand” zeigen.

Die Liste der weltberühmten “Grand” Kolonialhotels in Asien ist überblickbar: das “Raffles” in Singapur”, das “Grand d’Angkor” in Kambodscha, das “Oriental” in Bangkok, schließlich Hongkongs “Peninsula”. Das “The Strand” des alten Rangoons gehört eindeutig auch dazu. Dschungelbuch-Autor Kipling und Siddharta-Schriftsteller Hesse gehören zu den Prominenten, die die Bar des Hotels frequentierten. Somit war für unsere beiden Vertreterinnen der schreibenden Zunft ein “late afternoon drink” quasi Pflichtprogramm. “Cheers”, Ingrid und Rudyard, Susi und Hermann. “Strand Sour” ist der beliebte Hausdrink, doch ich wählte für mich aus Anlass des sich nahenden 11. Novembers den Martini nach Art des Hauses: viel Gin, etwas Lemongrass. Exotisch-tropisch. Postkolonial.

TaiPan Reiseblog - Myanmar - Yangon - Bar im The Strand-Hotel

Zu Martini in Bagan

Am burgenländischen Feiertag selbst sitzen wir beim Mittagessen auf der Terrasse des „Sunset“-Restaurants in Alt-Bagan, direkt am Ufer des Ayeyarwady. Unser Martini in Myanmar. Gansl gibt es keines, aber sie servieren uns unter anderem Enten-Curry. Wir beobachten den berühmten Fluss, die Berge in der Ferne, können ganz klein das Bergkloster Sale erkennen. Ingrid ist begeistert und formuliert im Geiste schon ihren Report für den Reise-Kurier. Der Volksmund sagt: „Hat Martini einen weißen Bart, wird der Winter lang und hart.“ Das nahe Thermometer zeigt 31 Grad und im Restaurantgarten und am Flussufer ist keine Spur von Raureif oder Schneetreiben zu sehen. Wir sind beruhigt und freuen uns auf einen kurzen, milden und unharten Winter in Zentraleuropa.

Martini und Mahamuni in Mandalay

Wieder drei Tage später, wir sind mittlerweile in Mandalay, der letzten Königshauptstadt vor der britischen Übernahme. Im Vordergrund stand heute Vormittag nicht Martini, sondern Mahamuni, die große, tonnenschwere, über und über mit Goldblättchen bedeckte Buddha-Statue. Sie gilt als heilig, der gleichnamige Tempel ist beliebtes Pilgerziel und Pflichtprogramm für jeden Reisenden.

TaiPan Reiseblog - Myanmar - Mandalay - Mahamuni Buddha

Jetzt sitze ich in der Planter’s Lounge, der Lobby-Bar des Sedona Mandalay Hotels. Es liegt gleich vis-à-vis von den goldenen Pagodendächern des  Königspalasts, den wir am Nachmittag ausführlich besichtigt haben. Ich bereite mich gewissenhaft auf das Abendessen vor. Also ich bestelle einen Aperitif. In Erinnerung an das Gansl- und Laternenfest zu Hause wird es diesmal ein klassischer Dry Martini. Martini in Myanmar.

Spannende Momente an der Theke der Hotelbar in Mandalay. Rührt oder schüttelt John, der burmanische Barkeeper mit dem Kolonialnamen? Garniert er mit Kirsche oder Olive? Nimmt er Gin oder doch Wodka, der schon nach wenigen Schlucken meine russische Seele zum Vorschein bringen würde? John ist eindeutig britisch geprägt. Er nimmt Beefeater Gin.

Schon wieder meldet sich der Volksmund: „Bringt Allerheiligen den Winter, so bringt Martini den Sommer.“ Ich kann diese Bauernregel nur bestätigen: Der 1. November in Wien war nicht richtig gemütlich und über den hochsommerlichen 11. November in Bagan habe ich ja gerade berichtet. Wir genießen diesen Martinisommer, zwischendurch auch den großen Pool unseres Hotels. Wir wissen, bei unserer Rückkehr wird es ungemütlich bis grauslich, da der österreichische Sommer wie die Martinigans längst geschlachtet und mit den Martinifeuern bereits verbrannt sein wird.

Martini – unser Schutzpatron

Beim nächsten Dry Martini komme ich ins Überlegen: Es ist sehr umstritten, dass sich das Wort Tourismus vom heiligen Martin von Tours herleitet, obwohl er ein eifriger Reisender zwischen Pannonien, Italien, Gallien und Germanien war. Jedenfalls ist er der Schutzherr der Reisenden (also von uns allen) und  Landespatron des Burgenlands. Er ist auch Beschützer der Abstinenzler, was ihm die Burgenländer irgendwie übel nehmen. Gesichert ist, dass er daneben gerne Mäntel teilte und sich in Gänseställen versteckte.

Martini-Literatur

Ich genieße meine Martini in Myanmar, die Atmosphäre der Bar, betrachte die anderen Gäste. Lerne Gisela aus Duisburg, eine frühpensionierte Englisch-Lehrerin (wie ich dann bemerke, auch eine passionierte Wein-Leererin) kennen. Wir versuchen, ein bisschen in die Tiefen der Martini-Philosophie einzudringen. Sie zitiert Winston Churchill (mit dem unter anderem im Krieg gegen Japan die opferreiche Errichtung der Burma Road und 1948 die Unabhängigkeit des damaligen Burmas vom Britischen Empire eng verbunden sind): „Der trockenste Martini kommt von einer Flasche guten Gin, die neben einer Wermutflasche gestanden hat“, empfahl der dem Alkohol angeblich nicht abgeneigte Winston.

Auch Hemingway taucht aus dem Nebel der Literaten auf, selbst ein begnadeter Bargast. Mit einer seiner vielen Bekannten, der amerikanischen Schriftstellerin Dorothy Parker. Sie ging in die Martini-Geschichte mit folgendem Gedicht ein:

„I like to have a martini,
two at the very most.
After three I’m under the table,
after four I’m under my host!“

Gut, dass Gisela jetzt aufbrechen muss. Die Studiosus-Gruppe hat noch ein Abendprogramm.

  • Die Tai-Pan-Rundreisen beinhalten üblicherweise zwei Übernachtungen in Mandalay. Das Sedona empfiehlt sich vor allem für Privatreisende durch seinen Komfort und seine zentrale Lage. Lassen Sie John schön grüßen.
  • Das bekannteste Getränk der Stadt ist übrigens nicht Martini, sondern Mandalay Rum.

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Über den Autor:


Der langjährige Geschäftsführer des Spezialveranstalters Eastlink ist Partner der ersten Stunde von Tai Pan. Der 2cv-Fahrer und Transsib-Enthusiast hat sein Hobby zum Beruf gemacht und entwickelt seit vielen Jahren innovative Reiseprogramme. Zumeist Richtung (Ferner) Osten.
E-Mail: tretenhahn@eastlink.at