Simbabwe: tierisch gut

Eine Kollegin stellt mir vor ein paar Jahren die Frage, ob ich denn schon einmal in Afrika gewesen wäre. Ich zähle einige Länder im Norden des Kontinents auf, worauf die entrüstete Antwort: „Das ist doch nicht Afrika!“ folgt. Ich beschließe daher, mich bei einer Reise nach Simbabwe – meiner ersten ins „richtige“ Afrika – kundig zu machen.

Und was soll ich sagen? Ich habe dort meine Leidenschaft für das südliche Afrika entdeckt. Die verlockende Wildnis, die unendliche Weite des Horizonts und das Brüllen der Löwen – es war Liebe auf den ersten Blick. 

Victoria Falls 

Meine Tour startet am Flughafen von Victoria Falls, wo mich mein Guide für die nächsten Tage bereits erwartet. Das Visum für Simbabwe erhält man vor Ort; allerdings sollte man eine gewisse Wartezeit einrechnen. Ja, hier ist Geduld gefragt und die Entschleunigung setzt prompt ein. Wir fahren direkt zum Sambesi, wo ich bei einer stimmungsvollen Sunset-Cruise die am Ufer grasenden Elefanten beobachte, den Flusspferden beim Tauchen zusehe und dabei die atemberaubende Schönheit des afrikanischen Sonnenuntergangs bei einem Cocktail genieße.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in meiner Unterkunft, der Ilala-Lodge, werde ich zu einem typischen Boma-Dinner in die Victoria Falls Safari Lodge gebracht. Begleitet von Trommeln und Tanz schlemme ich mich durch die Köstlichkeiten am Buffet und probiere nach etwas Überwindung auch die Mopane-Würmer, eine besondere Delikatesse für die Einheimischen. Ein Zertifikat dafür ist mir sicher. Ein langer Tag geht mit viel guter Laune zu Ende. Der Afrika-Virus hat mich schon erwischt.

Am nächsten Vormittag unternimmt mein Guide mit mir einen Rundgang durch den Regenwald, bei dem sich die gigantischen Wasserfälle aus mehreren Perspektiven und Geräuschkulissen präsentieren. Der mächtige Sambesi stürzt sich über eine Breite von 1,7 km an der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe mit gewaltigem Getöse 108 Meter in die Tiefe. Berauschend! In der Landessprache wird dieses Naturschauspiel „Mosi-oa-Tunya“ genannt – donnernder Rauch. Absolut passend. Wir wandern von einem Aussichtspunkt zum nächsten – sehen, hören und fühlen die spektakulären Wassermassen.

Das nächste Highlight ist ein 20-minütiger Heli-Flug, bei dem ich die Fälle aus der Vogelperspektive bestaune. Erst hier wird einem das Ausmaß dieses imposanten Naturwunders bewusst.

Am Nachmittag bin ich im legendären Victoria Falls Hotel zum klassischen High Tea eingeladen. Mit Blick auf die den Sambesi überspannende Brücke zwischen Sambia und Simbabwe plaudere ich mit dem Manager bei Sandwiches und Scones. Very british!

Victoria Falls – Hwange Nationalpark 

Heute geht es weiter zum Hwange Nationalpark. Nach guten 2,5 Stunden Fahrzeit erreichen wir mein Domizil für die nächsten drei Tage – die Elephants Eye Lodge. Hwange ist das größte Wildschutzgebiet des Landes und bekannt für seine große Elefantenpopulation. Durch die vielen Wasserlöcher bieten sich ganzjährig fantastische Möglichkeiten zur Tierbeobachtung.

In der Lodge werde ich für eine Nacht und einen Tag der einzige Gast sein. Beim Dinner leisten mir einige Staff-Mitglieder Gesellschaft. Das Essen ist fantastisch gut und ich staune, wie man im Busch derart tolle Gerichte zaubern kann. Da man ja nie weiß, wer einem aller in der Dunkelheit begegnen wird, werde ich zu meinem „Zelt“ begleitet und nehme dort gleich mal – umgeben von den Geräuschen der Wildnis – outdoor eine Dusche. Dann sitze ich auf meiner Veranda, die glücklicherweise auf Stelzen steht, beobachte die Sterne am tiefschwarzen Südhimmel und bin total tiefenentspannt. Welch ein Gefühl!

Früh weckt mich am Morgen mein Ranger Shepheard, um unsere Safarifahrt zu beginnen. Es ist noch sehr kalt, ich wärme mich an einem heißen Tee und steige in den Jeep. Ich darf vorne sitzen – sind wir doch nur zu zweit – und freue mich über diesen Luxus. Der Fahrtwind pfeift uns um die Ohren und ich bin froh, eine Mütze und Handschuhe mitgenommen zu haben. Während die Sonne langsam aufgeht, sichten wir Giraffen, Kudus, Impalas, Zebras, Warthogs (Warzenschwein) und Zebus. Auch meine absoluten Lieblinge – Elefanten – sind darunter. Meine erste Safari – ein unbeschreibliches Gefühl, all diese Tiere in freier Wildbahn beobachten zu dürfen.

Am Nachmittag kommen wir zufällig auf eine Lichtung und werden Teil eines Elefanten-Meetings. Ungefähr 100 Tiere stehen dort in Gruppen zusammen: Kühe mit Babys, junge Halbstarke und erwachsene Bullen. Von den Anhöhen schlendern immer mehr und mehr zu diesem Treffen genau in der Mitte des Monats. Nicht nur mir bleibt der Mund vor Staunen offen – auch Shepheard meint, er hätte so etwas noch nie gesehen. Wir sitzen schweigend und bewegungslos da – wie im Kino. Nach circa einer halben Stunde steht ein drei Meter hoher Bulle hinter unserem Fahrzeug, überlegt, wie er am besten weitergehen soll, und entscheidet sich zum Glück links (an meiner Seite) zu passieren. Er ist so riesig, dass ich ihn gar nicht fotografieren kann. Ein Schauspiel der Extraklasse, das ich nie in meinem Leben vergessen werde.

Am Abend sind andere Gäste in der Lodge, wir sitzen plaudernd um das Lagerfeuer bei der Boma, schlürfen unsere Cocktails und genießen danach ein herrliches Abendessen. Müde, aber dankbar und glücklich falle ich ins Bett.

Am nächsten Tag unternehmen wir eine Walking-Safari – gut behütet von einem schwer bewaffneten Ranger. Aber nach der Elefanten-Session tags zuvor bin ich sicher, uns wird nichts geschehen. Nun gibt es auch Gelegenheit, kleinere Tiere wie verschiedenste Vögel zu sehen.

Hwange Nationalpark Victoria Falls

Eine wohltuende Massage in der Lodge rundet den Tag ab, bevor es am nächsten Morgen zurück nach Victoria Falls geht. Unterwegs halten wir in einem Dorf und ich darf ein sogenanntes „homestead“ besichtigen. Es gibt mehrere kleine, strohgedeckte Rundhütten im Hof, die als getrennte Schlafstätten für Frauen, Männer, Kinder und auch das Vieh einer Großfamilie dienen. Es ist alles sehr einfach, aber sauber. Der ganze Stolz ist die Küche, die in Gemeinschaftsarbeit aller Frauen des Dorfes aus Lehm gebaut wurde. In der Mitte wird am offenen Feuer gekocht; an einer Wand das wenige Geschirr sorgfältig aufbewahrt.

Am meisten beeindruckt mich jedoch, dass Wasser von öffentlichen Brunnen oft kilometerweit geholt werden muss. Seither wird das kühle Nass von mir noch mehr geschätzt – Wasserverschwendung ist absolut tabu. Trotz aller Entbehrungen sind die Menschen fröhlich und haben immer ein Lächeln auf den Lippen. Wie die Schulkinder, die uns bei der Weiterfahrt begegnen. Mein Guide erklärt mir, dass die Kinder oft lange Wege zurückzulegen haben, aber mit Freude und gerne lernen.

Ja, meine Kollegin hat recht behalten: Das ist das wahre Afrika und ich beschließe, so bald wie möglich wieder zu kommen. Einmal Afrika – immer Afrika!

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